Sprachen lernen mittels Sprachtandem

Im Blogbeitrag Diese Lernmethoden erleichtern den Sprachunterricht verrieten wir, mit welchen Tipps und Tricks sich ein Sprachkurs möglichst effektiv gestaltet, und zwar vor, während und nach dem Unterricht. Der Beitrag Wie schreibt man eine gute Zusammenfassung vertiefte eine der Methoden: das Schreiben einer Zusammenfassung. Sprachen lernen geht allerdings auch ausserhalb des Unterrichts. Eine lockere, interaktive und äusserst bereichernde Methode sind Sprachtandems. Ein solches Sprachtandem kann den Sprachunterricht ergänzen oder, in einigen Fällen, ersetzen. Und das Beste daran: Sprachtandems sind zu hundert Prozent kostenfrei!

Was ist ein Sprachtandem?

Bei einem Sprachtandem bist du sogleich diejenige Person, die lehrt, als auch diejenige, die lernt. In den meisten Fällen treffen sich zwei Personen mit unterschiedlichen Erstsprachen. Nehmen wir Lena, deren Erstsprache Deutsch ist, und Fabio, dessen Erstsprache Italienisch ist, als Beispiel. Lena möchte ihre Italienischkenntnisse, die mit den Jahren etwas eingerostet sind, aufbessern. Fabio, besucht einen Gruppendeutschkurs, kommt da aber nicht viel zum Sprechen. Aus diesem Grund treffen sich die beiden jeweils einmal die Woche, um erst eine halbe Stunde Italienisch zu sprechen und sich dann in der zweiten halben Stunde auf Deutsch zu unterhalten. Da es Lena hauptsächlich darum geht, fliessende Konversationen zu führen, möchte sie nicht, dass Fabio sie bei jedem kleinen Fehler korrigiert, sondern nur bei gröberen, die das Verständnis negativ beeinflussen. Fabio hingegen hat oft Fragen zur deutschen Grammatik, bespricht seine Hausaufgaben für den Deutschkurs mit Lena und will, dass sie ihn öfters korrigiert. Somit sind Sprachtandems äusserst flexibel und an individuelle Lernpräferenzen anpassbar; beide Partner:innen bestimmen ihre Lernziele, die Themen und Strategien selbst. Des Weiteren findet unweigerlich auch ein Kulturaustausch statt, was Sprachtandems umso mehr zu einer bereichernden Erfahrung macht.

Wie finde ich Sprachtandempartner:innen?

Tatsächlich ist es ziemlich einfach, Sprachtandempartner:innen zu finden. Der erste Schritt ist, sich eine geeignete Plattform auszusuchen.

Für Studierende, Doktorierende, Mitarbeitende und Alumni der UZH, ETH Zürich, PHZH und ZHdK gibt es die Tandembörse des Sprachenzentrums, die kostenlos Sprachtandempartner:innen vermittelt:

https://www.uzh.ch/sprachenzentrum/ssl-dir/tandem/anmelden.php

Treffpunkt Tandem ist ein kostenloses Angebot des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW, das allen Interessierten offensteht, unabhängig davon, ob sie an der ZHAW arbeiten oder studieren:

https://www.zhaw.ch/de/linguistik/dienstleistung/treffpunkt-tandem/#c47137

Viele weitere Universitäten haben ähnliche Angebote, so auch die Universität Basel:

https://markt.unibas.ch/category/sprachtandem

Im Internet lassen sich darüber hinaus viele weitere Tandembörsen finden. Auch gibt es eine App, mit der man unkompliziert Menschen aus der ganzen Welt kennenlernen kann:

https://www.tandem.net/de

Dafür braucht man sich nur die App herunterzuladen und sich anzumelden. Danach kann man nach der Sprache suchen, die man lernen möchte, und die App zeigt einem gleich unzählige Muttersprachler:innen an, welche deine Erstsprache lernen möchten. Die kann man dann kontaktieren und gegebenenfalls ein Treffen mit ihnen vereinbaren.

Wie treffe ich meine Sprachtandempartner:innen?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, sich mit Sprachtandempartner:innen zu treffen: vor Ort oder online. Entscheidet man sich für ein persönliches Treffen, wären beispielsweise ein Café oder ein Park – am besten mit Bänken und Tischen – geeignete Orte. Jedoch kann man auch gemeinsam spazieren oder gar wandern gehen, zusammen ein Museum besuchen oder kochen. Allerdings kann es auch sein, dass deine Sprachtandempartner:innen nicht in deiner Nähe wohnen, sondern in einem anderen Land oder auf einem anderen Kontinenten. In diesem Fall kann das Treffen online stattfinden, beispielsweise über Skype oder ZOOM.

Wie läuft eine Treffen mit meinen Sprachtandempartner:innen ab?

Das sich Tandemtreffen individuell gestalten lassen, wurde bereits erwähnt. Beide Parter:innen übernehmen Verantwortung und einigen sich auf Ort, Zeit, Dauer und Regelmässigkeit der Treffen. Auch kann individuell festgelegt werden, worauf der Fokus liegen soll: Sprechen, Schreiben, Hör- oder Leseverstehen. Die Themen der Treffen können sich entweder spontan ergeben oder im Vorhinein besprochen werden. Mögliche Ideen wären Hobbies, Interessen, Kultur, Weltgeschehen, Politik, Sport, Ernährung, Reisen und so weiter. Möglicherweise einigt man sich auch darauf, dass beispielsweise beide beim nächsten Treffen einige Redewendungen oder Sprichwörter mitbringen und dem Gegenüber dann erklären. Kurz: Kein Tandem gleicht wohl dem anderen, und das ist auch das Wunderbare daran!

Hast du eigene Erfahrungen mit Tandemtreffen? Was sind deine Tipps und Empfehlungen? Hast du Fragen? Schreibe uns in den Kommentaren; wir freuen uns auf deine Rückmeldung!

von Nelly Müller – Sprachen Akademie

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